Was haben der Braunkohletagebau Garzweiler, unsere Trinkwasservorräte und die wertvollen Feuchtgebiete an Schwalm, Nette und Maas miteinander zu tun?
Mehr, als vielen Menschen im Kreis Viersen vermutlich bewusst ist.
Über Jahrzehnte wurde für den Braunkohleabbau Grundwasser abgepumpt – die sogenannten Sümpfungsmaßnahmen. Dadurch wurde massiv in den natürlichen Wasserhaushalt der gesamten Region eingegriffen. Damit unsere Feuchtgebiete erhalten und unsere Wasservorräte geschützt werden können, muss dieser Eingriff auch nach dem Ende des Tagebaus ausgeglichen werden.
Dass dieser Wasserhaushalt langfristig gesichert werden muss, ist für uns unstrittig. Auch die Anfrage der GRÜNEN im Regionalrat macht deutlich, dass eine konstante Wasserzuführung für den Erhalt der Feuchtgebiete Maas/Schwalm/Nette notwendig ist und zugleich die Trinkwasservorräte nördlich von Garzweiler geschützt werden müssen.
Und genau deshalb sprechen wir bei den Folgen des Braunkohleabbaus über Ewigkeitslasten und Ewigkeitskosten.
Denn mit dem Ende der Kohleförderung verschwinden die Folgen des Tagebaus nicht. Die Wiederherstellung und Stabilisierung des Wasserhaushalts wird die Region noch lange beschäftigen. Für uns gehört deshalb immer auch die Frage dazu: Wer trägt dauerhaft die Verantwortung – und wer trägt die Kosten? Welche Verpflichtungen übernimmt RWE und wie wird verhindert, dass langfristige Folgekosten irgendwann bei Kommunen und Allgemeinheit landen?
Der Sommer 2026 wirft neue Fragen auf
Zu diesen grundsätzlich bekannten Herausforderungen kommt jetzt eine neue Entwicklung.
Längere Dürreperioden werden zu einer immer größeren Belastung für unsere Wasserreserven. Im August 2026 sank der Rheinpegel in Düsseldorf auf einen historischen Niedrigstand von minus zwei Zentimetern. Die Binnenschifffahrt war zeitweise nicht mehr durchgängig möglich.
Gleichzeitig spielt ausgerechnet der Rhein eine zentrale Rolle für die zukünftige Wasserstrategie des Rheinischen Reviers: Rheinwasser soll zur Befüllung der Tagebauseen genutzt werden und ist zugleich für die Stabilisierung des regionalen Wasserhaushalts von Bedeutung.
Damit stellt sich eine entscheidende Frage neu: Sind die bisherigen Planungen unter den Bedingungen zunehmender Dürre und extremer Niedrigwasserstände überhaupt noch belastbar?
Und es geht nicht allein um die Menge des verfügbaren Wassers. Bei Niedrigwasser stellt sich auch die Frage nach dessen Qualität und Schadstoffbelastung. Die GRÜNEN wollen deshalb wissen, wie belastet das Rheinwasser an der geplanten Entnahmestelle in Dormagen während solcher Niedrigwasserphasen ist und ob entsprechende Messungen während der späteren Entnahme vorgesehen sind.
GRÜNE fordern Neubewertung
Aufgrund dieser offenen Fragen hat die GRÜNE Fraktion im Regionalrat eine Anfrage an die Bezirksregierung Köln gestellt. Sie will unter anderem wissen, ob die Grundannahmen für die Rheinwasserentnahme nach den Erfahrungen des Sommers 2026 neu bewertet und die bisherigen Gutachten zur Wasserführung und Kapazität des Rheins aktualisiert werden müssen. HIER KLICKEN FÜR ANFRAGE.
Für den Kreis Viersen ist diese Diskussion von unmittelbarer Bedeutung. Es geht um den Erhalt unserer einzigartigen Feuchtgebiete, um unsere Trinkwasserreserven und auch um die Landwirtschaft, die auf einen langfristig stabilen Wasserhaushalt angewiesen ist.
Dabei darf aus unserer Sicht kein künstlicher Gegensatz entstehen: Die Tagebauseen müssen befüllt werden, unsere Feuchtgebiete müssen erhalten bleiben, Trinkwasser und Landwirtschaft müssen gesichert sein. Die Frage ist vielmehr, ob das unter den veränderten klimatischen Bedingungen mit den bisherigen Annahmen funktioniert – und welche Konsequenzen gezogen werden müssen, wenn dies nicht der Fall ist.
„Wir GRÜNEN setzen uns auf allen Gliederungsebenen dafür ein, dass die Folgen des Braunkohleabbaus auch langfristig verantwortungsvoll bewältigt werden. Der Schutz unserer Feuchtgebiete, unserer Trinkwasserreserven und der Landwirtschaft stehen für uns im Fokus. Gleichzeitig müssen die Ewigkeitslasten und Ewigkeitskosten klar benannt werden: Wer über Jahrzehnte vom Braunkohleabbau profitiert hat, muss auch dauerhaft Verantwortung für seine Folgen übernehmen. Der Sommer 2026 zeigt, dass wir die bisherigen Planungen jetzt unter den Bedingungen des Klimawandels neu überprüfen müssen.“